Googles KI sagt Falsches über dich – was du tun kannst
· Sandra Straub
Hast du schon mal gegoogelt, was Googles KI über dein Business sagt?
Die meisten Unternehmerinnen tun das nicht regelmäßig. Verständlich. Aber seit einem Urteil des Landgerichts München I von Ende Mai 2026 gibt es einen guten Grund, das zu ändern. Denn das Gericht hat klargestellt: Wenn Googles KI Falsches über ein Unternehmen behauptet, ist das Googles eigene Aussage. Keine neutrale Technik, kein Zwischenfall. Eigene Aussage.
Und die betroffenen Unternehmen haben Rechte dagegen.
1. Was passiert ist
Zwei Münchner Verlagsunternehmen haben gegen Google geklagt. Der Auslöser war Googles Funktion “AI Overview”, die seit einiger Zeit automatisch generierte KI-Zusammenfassungen direkt über den Suchergebnissen anzeigt.
Wer den Namen der Verlage zusammen mit dem Begriff “Betrugsmasche” suchte, bekam von der KI-Funktion Aussagen präsentiert, die die Verlage fälschlicherweise mit Abofallen, dubiosen Praktiken und häufigen Namensänderungen in Verbindung brachten. Das Problem: Die KI hatte Informationen über tatsächlich fragwürdige Unternehmen mit den unbescholtenen Verlagen vermischt und Verbindungen konstruiert, die in keiner der von Google selbst herangezogenen Quellen existierten.
Das Urteil des LG München I vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26): Google muss diese Aussagen unterlassen. Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro pro Verstoß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
2. Was das Gericht entschieden hat – und warum das wichtig ist
Der entscheidende Punkt liegt in einer Unterscheidung, die technisch klingt, aber rechtlich erheblich ist.
Klassische Suchergebnisse zeigen Links zu Drittinhalten. Google vermittelt dort, was andere geschrieben haben. Dafür gilt ein Haftungsprivileg: Wer nur verlinkt, haftet nicht wie ein Autor.
Die “AI Overview” funktioniert anders. Die KI analysiert Quellen, bewertet sie und formuliert eine eigene Zusammenfassung in Googles Namen. Das ist kein Vermitteln mehr. Das Gericht hat das klar eingestuft: Diese Zusammenfassung ist Googles eigene Aussage. Und weil nur Google die Richtigkeit solcher KI-Generierungen prüfen kann, trägt Google die volle Verantwortung dafür.
Das Gericht hat nicht entschieden, dass KI prinzipiell nicht irren darf. Es hat entschieden, wer für das Irren verantwortlich ist. Das ist ein Unterschied, der zählt.
3. Warum das auch dich betrifft
Dieser Fall ist kein reines Großunternehmensthema. Er betrifft grundsätzlich jeden, der online präsent ist und bei Google gefunden werden kann.
KI-Systeme wie der AI Overview arbeiten automatisch. Sie verknüpfen Informationen aus verschiedenen Quellen und können dabei Unternehmen verwechseln, veraltete Daten als aktuell darstellen oder Zusammenhänge herstellen, die faktisch nicht stimmen. Das ist keine Bosheit, das ist eine technische Eigenschaft.
Die relevante Frage für dich ist deshalb nicht, ob das passieren kann. Die Frage ist: Weißt du, was dort gerade über dich steht?
4. Was du jetzt konkret tun kannst
Schritt 1: Eigenen Namen googeln
Öffne Google und such nach deinem Business-Namen. Schau, ob eine “Übersicht mit KI” erscheint und was sie enthält. Prüfe außerdem folgende Kombinationen: dein Name plus “Erfahrungen”, “seriös”, “Bewertungen”. Das dauert zehn Minuten und gibt dir ein realistisches Bild davon, wie dein Business in der KI-gefilterten Außenwahrnehmung erscheint.
Schritt 2: Beweise sichern
Findest du etwas Falsches oder Irreführendes? Screenshot sofort, mit Datum und vollständiger URL. KI-Zusammenfassungen können sich verändern, ohne dass du es mitbekommst. Was heute zu lesen ist, kann morgen anders lauten oder gar nicht mehr erscheinen. Der Screenshot ist dein Beweis für alles Weitere.
Schritt 3: Rechtliche Optionen kennen
Das Urteil zeigt, dass du nicht machtlos bist. Je nach Situation kommen verschiedene Wege in Betracht.
Eine Meldung direkt an Google über das Feedback-Formular in der AI Overview kann manchmal schnell wirken. Eine rechtliche Garantie ist das nicht.
Eine Unterlassungsaufforderung mit Bezug auf dein Persönlichkeitsrecht oder das Unternehmensrecht ist der nächste Schritt, wenn die informelle Meldung nichts bewegt.
Eine einstweilige Verfügung, wie sie die Münchner Verlage erwirkt haben, ist der schärfste Weg, wenn schnelles Handeln notwendig ist und der Schaden konkret droht.
Welcher Weg passt, hängt von der Schwere der Falschdarstellung und ihrer tatsächlichen Auswirkung ab. Der erste Schritt ist in jedem Fall gleich: Beweise sichern, bevor sich die Anzeige ändert.
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