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KI-Kennzeichnung ab August 2026: Das musst du wissen

· Sandra Straub

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act (Artikel 50). Damit ist die KI-Kennzeichnung kein Zukunftsthema mehr, sondern Gegenwart. Und mit ihr eine große Portion Unsicherheit.

In meinen Nachrichten tauchen dazu immer wieder dieselben Fragen auf. Deshalb sortiere ich sie hier einmal in Ruhe. Vorweg die gute Nachricht: Für die meisten Alltagsfälle ist die Lage deutlich entspannter, als die Aufregung vermuten lässt.

Was die KI-Kennzeichnung überhaupt verlangt

Der EU AI Act unterscheidet grob zwei Dinge, die im Alltag oft durcheinandergehen.

Das eine ist die technische Markierung: KI-Anbieter müssen KI-generierte Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen, zum Beispiel über Metadaten oder ein Wasserzeichen. Diese Pflicht trifft die Hersteller der Tools, nicht dich als Nutzerin.

Das andere ist die Offenlegung: Wo Menschen sonst getäuscht würden, soll erkennbar sein, dass Inhalte künstlich erzeugt wurden oder dass eine KI mit ihnen interagiert. Das ist der Teil, der dich betrifft.

Eine Faustregel hilft durch fast alle Fälle: Kennzeichnen musst du dort, wo etwas echt wirkt, obwohl es künstlich ist und nicht pauschal überall, wo KI im Spiel war.

1. Brauchst du ein offizielles EU-KI-Label auf deinen Bildern?

Nein.

Die maschinenlesbare Markierung im Bild ist Aufgabe der Anbieter deines KI-Tools. Deine Aufgabe ist die Transparenz: Wenn dein KI-generiertes Bild oder Video so aussieht, als wäre es echt, machst du transparent, dass KI im Spiel war. Wie du das tust, schreibt dir das Gesetz nicht im Detail vor. Ein klarer, verständlicher Hinweis genügt, zum Beispiel „KI-generiert” in der Bildunterschrift oder direkt im Bild.

Du musst dazu nicht die offiziellen Siegel der EU Kommission verwenden. Transparenz darfst du selbst in einem verständlichen Rahmen herstellen.

2. Eigenes Foto, aber der Hintergrund ist per KI ausgetauscht

Hier wird es unscharf, und das gebe ich ehrlich zu.

Ein echtes Foto von dir, bei dem der Hintergrund per KI so verändert wird, dass das Ergebnis authentisch wirkt (du am Meer, obwohl du im Wohnzimmer standest), kann in den Bereich der offenlegungspflichtigen, manipulierten Inhalte fallen. Entscheidend ist der Eindruck: Je mehr das Bild so aussieht, als wäre es wirklich so passiert, desto eher gehört ein Hinweis dran.

Umgekehrt gilt: Ist der Hintergrund erkennbar künstlerisch, stilisiert oder offensichtlich unrealistisch, ist die Lage entspannter. Für klar kreative Gestaltung sieht der AI Act eine abgeschwächte Pflicht vor, die das Werk nicht beeinträchtigen soll.

Meine praktische Empfehlung: Im Zweifel ein kurzer Hinweis. Er kostet dich nichts, nimmt dir das Risiko und schafft Vertrauen, dass du ehrlich kommunizierst.

3. Nur der Text kommt von KI

Für deinen Business-Alltag lautet die Antwort hier in aller Regel: keine Kennzeichnung nötig.

Die Kennzeichnungspflicht für KI-Text ist eng zugeschnitten. Sie zielt auf Texte, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Und selbst dort greift sie nicht, wenn ein Mensch den Text redaktionell prüft und dafür die Verantwortung übernimmt.

Deine Instagram-Caption, dein Newsletter, dein Blogbeitrag, die mit KI vorbereitet und von dir überarbeitet wurden sind also normalerweise nicht betroffen. Du prüfst, du entscheidest, du veröffentlichst unter deinem Namen. Damit trägst du die redaktionelle Verantwortung.

Das heißt nicht, dass sonst alles egal ist. Deine Texte müssen weiterhin wahr und nicht irreführend sein. Aber das ist eine allgemeine Frage des Rechts (z.B. Wettbewerbsrecht) und betrifft nicht die KI-Kennzeichnungspflicht aus der KI-VO.

Was du dir merken kannst

  • KI-Bild oder -Video, das echt wirkt: transparent machen, dass es KI ist. Die Form ist frei, der Hinweis muss aber am oder im Bild/Video erfolgen
  • Foto mit KI-Hintergrund: je authentischer der Eindruck, desto eher ein Hinweis. Im Zweifel lieber hinweisen
  • Text mit KI erstellt im Business-Alltag: in der Regel keine Kennzeichnung nötig

Kennzeichnung ist kein Bürokratie-Monster. Sie sorgt dafür, dass Menschen erkennen können, wann etwas künstlich ist. Das schützt deine Kundinnen und stärkt dein Vertrauen. Transparenz ist eine Haltung, keine Formularpflicht.

Dieser Beitrag ersetzt keine fallbezogene Rechtsberatung.

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