KI-Omnibus 2026: Was wirklich verschoben wurde – und was weiterhin ab August gilt
· Sandra Straub
Seit dem 16. Juni 2026 kursiert diese eine Annahme: “Die Kennzeichnungspflicht für KI-Content wurde verschoben, ich muss mich da gerade nicht drum kümmern.”
Diese Annahme ist aber nicht korrekt. Und ich erkläre dir, woher sie kommt – und was tatsächlich gilt.
Mit dem sogenannten “Digital Omnibus on AI” hat das EU-Parlament Fristen des EU AI Act angepasst. Was dabei oft falsch verstanden wird: Nicht alle Pflichten wurden verlängert. Die Transparenz- und Kennzeichnungspflichten nach Art. 50 KI-VO gehören zum Beispiel nicht dazu.
Was der “Digital Omnibus on AI” verändert
Der Digital Omnibus ist ein Sammelrechtsakt. Er bündelt Anpassungen an mehreren digitalen Verordnungen, um die Umsetzung praktikabler zu machen. Beim EU AI Act betrifft das vor allem drei Bereiche.
Erstens: Die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme wurden verlängert. Wer KI in sensiblen Bereichen wie Personalauswahl, Bildung oder kritischer Infrastruktur einsetzt oder anbietet, bekommt für bestimmte Umsetzungspflichten mehr Zeit. Das betrifft in der Regel nicht die typische Solopreneurin, die KI für Marketing und Kommunikation einsetzt.
Zweitens: Die Übergangsfristen für Anbieter von General Purpose KI-Modellen wurden verlängert. Das betrifft die Anbieter großer KI-Basismodelle – also Unternehmen wie Anthropic, OpenAI oder Google. Für dich als Nutzerin ändert das direkt wenig.
Drittens – und das ist der entscheidende Punkt: Die Transparenz- und Kennzeichnungspflichten nach Art. 50 KI-VO wurden durch den Digital Omnibus nicht verschoben. Sie gelten weiterhin ab dem 2. August 2026. Genau das ist die Information, die in vielen Zusammenfassungen fehlt oder falsch dargestellt wird.
Was gerade in Bewegung ist – und was du jetzt trotzdem tun kannst
Für die meisten Solopreneurinnen im Coaching-, Beratungs- oder Kursbereich ändert der Digital Omnibus das Wesentliche nicht. Die Kennzeichnungspflicht war das, was viele beschäftigt hat – und sie gilt ab August weiterhin.
Aber – und das ist der Teil, der in vielen Zusammenfassungen fehlt – der Digital Omnibus bringt auch Unklarheit. Er schlägt unter anderem vor, die Pflicht zur KI-Kompetenz (Artikel 4 EU AI Act) für Betreiberinnen zu streichen oder anzupassen. Was am Ende wirklich gilt, steht noch nicht fest. Das ist kein Freifahrtschein. Es ist eine Phase, in der die Regeln gerade neu verhandelt werden.
Was bedeutet das für dich? Du weißt gerade nicht genau, welche Pflichten in welcher Form kommen. Das ist unangenehm. Gleichzeitig: Du hast jetzt Zeit, in Ruhe die Grundlagen zu bauen, die in jedem Fall sinnvoll sind, unabhängig davon, wie die Details am Ende aussehen.
Drei Schritte, die jetzt Sinn ergeben
Schritt 1: KI-Inventur
Setz dich hin und schreib auf, welche KI-Tools du wirklich einsetzt. Nicht schätzen. Wirklich aufschreiben. Chatbot auf der Website, Textgenerator für Captions, Bildgenerator für Blog-Bilder, Übersetzungstool für die englische Landingpage. Alles, was dazu gehört.
Diese Liste ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Ohne sie stocherst du im Nebel.
Schritt 2: Kennzeichnungs-Strategie festlegen
Die Kennzeichnungspflicht gilt ab August – nicht irgendwann. Überleg dir jetzt konkret, wo du KI-generierte Inhalte veröffentlichst und wie du damit umgehen möchtest. Meine Empfehlung: Kläre das jetzt in Ruhe, statt dich im August unter Zeitdruck zu entscheiden. Das schafft Klarheit für dich und Vertrauen bei deinen Kundinnen.
Schritt 3: Dokumentation anlegen
Schreib kurz auf, welche Tools du einsetzt, zu welchem Zweck und was du darüber weißt. Anbieter, Einsatzbereich, mögliche Risiken. Diese Dokumentation ist keine Bürokratie. Sie ist deine Grundlage, wenn du später gefragt wirst, wie du mit KI umgehst. Und gefragt wirst du werden.
Das sind keine 20 Stunden Arbeit. Das sind zwei, drei fokussierte Nachmittage.
Und die hast du jetzt, ohne Deadline im Nacken.
Fazit
Die neuen Fristen sind eine gute Nachricht. Sie sind keine Entwarnung. Sie sind Zeit.
Zeit, die du nutzen kannst, um jetzt in Ruhe die Grundlagen zu bauen. Damit du, wenn die Fristen dann greifen, nicht in drei Wochen nachrüsten musst. Sondern schon längst vorbereitet bist.
Nächster Schritt
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Dieser Beitrag ersetzt keine fallbezogene Rechtsberatung. Die Angaben beziehen sich auf den Stand von Juli 2026.
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