ChatGPT Werbung in Deutschland: Was Unternehmerinnen jetzt wissen müssen
· Sandra Straub
Seit dem 24. August 2026 zeigt ChatGPT Werbung. In Deutschland und 30 weiteren europäischen Ländern, für Nutzerinnen im kostenlosen Tarif und in ChatGPT Go. Als ich die Meldung gelesen habe, war mein erster Gedanke: Spannend, da trifft bekanntes Recht auf ein neues Format. Als Rechtsanwältin, die KI täglich im Business einsetzt, beschäftigt mich das aus zwei Richtungen: als jemand, der den Markt beobachtet, und als jemand, der die rechtlichen Implikationen einordnet.
Hier ist, was du wissen solltest.
Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung
OpenAI hat das Werbeprogramm am 24. August 2026 auf 31 europäische Länder ausgerollt. In den USA läuft es bereits seit dem 9. Februar 2026. Bis Ende August hat OpenAI damit einen annualisierten Werbeumsatz von einer Milliarde US-Dollar erreicht.
Betroffen sind Nutzerinnen im kostenlosen Tarif (Free) und im ChatGPT Go-Abo. Wer ChatGPT Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu nutzt, sieht keine Anzeigen. Anzeigen sehen nur eingeloggte, volljährige Nutzerinnen.
Wie sehen die ChatGPT-Anzeigen aus?
Die Anzeigen erscheinen unterhalb der KI-Antwort. Eine graue Linie trennt Antwort und Werbung. Die Anzeige ist klar als „Gesponsert” gekennzeichnet.
OpenAI garantiert ausdrücklich: Werbetreibende haben keinen Einfluss auf den Inhalt der KI-Antwort. Die organische Antwort von ChatGPT bleibt von der Werbeschaltung unberührt.
Das entspricht dem, was das Wettbewerbsrecht unter Trennungsgebot versteht: redaktioneller Inhalt und Werbung müssen klar voneinander getrennt und als solche erkennbar sein. OpenAI setzt das in seiner Systemarchitektur um. Wie das in der Praxis bei komplexeren Gesprächsverläufen wahrgenommen wird, bleibt zu beobachten.
Was ist der Unterschied zwischen EU und USA?
In den USA nutzt ChatGPT für die Anzeigenausspielung auch Informationen aus den Chatverläufen der Nutzerinnen. In der EU ist das derzeit nicht der Fall.
Das ist eine direkte Folge der DSGVO. ChatGPT nutzt in der EU für die Anzeigenauswahl den Kontext des laufenden Gesprächs, den ungefähren Standort, den Gerätetyp, die Uhrzeit und die Sprache. Wer gerade eine Reise plant, Software vergleicht oder sich für ein neues Hobby interessiert, sieht thematisch passende Anzeigen, nicht aber solche, die auf vergangenen Konversationen basieren.
OpenAI stützt diese Anzeigen in der EU auf Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO, das berechtigte Interesse. Ob das trägt, ist gerichtlich noch nicht entschieden. Das Meta-Urteil des EuGH (C-252/21, 4. Juli 2023) lässt sinngemäß erkennen: Für Werbezwecke ist berechtigtes Interesse als Rechtsgrundlage angreifbar. Wie Aufsichtsbehörden das in Bezug auf ChatGPT-Werbung bewerten werden, bleibt zu beobachten.
Was das UWG mit ChatGPT-Werbung zu tun hat
Das ist der Punkt, den viele übersehen: ChatGPT ist kein rechtsfreier Raum für Werbung.
Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gilt für ChatGPT-Anzeigen genauso wie für Google Ads oder Meta. Was du nicht bei Google behaupten dürftest, darfst du auch in ChatGPT nicht behaupten.
Konkret: Falsche Produktangaben, unbelegte Superlative wie „Testsieger” ohne entsprechenden Test, irreführende Preisversprechen. Das sind Verstöße gegen § 5 UWG, unabhängig davon, auf welcher Plattform sie erscheinen. Und Verstöße gegen das UWG können von Mitbewerberinnen und Verbänden abgemahnt werden.
Wer in ChatGPT wirbt, spielt nach denselben Spielregeln wie überall sonst im Online-Marketing. Das ist keine neue Einschränkung. Es ist die bekannte Rechtslage auf einem neuen Kanal.
Wer haftet für den Inhalt einer ChatGPT-Anzeige?
Das werbende Unternehmen. OpenAI trägt Verantwortung als Plattformbetreiber, aber die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit des Anzeigeninhalts liegt beim Werbetreibenden.
Das ist dieselbe Struktur wie bei Google Ads: Wenn deine Anzeige eine falsche Aussage enthält, haftest du dafür. Nicht die Plattform.
Was du jetzt wissen solltest: drei Punkte
1. Dein Tarif entscheidet. Free- und Go-Tarif: Anzeigen werden erscheinen. Plus und alle weiteren Bezahlversionen: keine Werbung.
2. Die KI-Antwort bleibt unabhängig. OpenAIs Garantie, dass Werbetreibende keinen Einfluss auf den Antwortinhalt haben, ist der entscheidende Punkt. Das Trennungsgebot gilt. OpenAI hat es technisch umgesetzt.
3. Wenn du selbst werben willst: UWG-Grundlagen kennen. ChatGPT Ads sind seit dem 31. August 2026 über den Self-Serve Ads Manager direkt buchbar, auch für Werbetreibende mit Sitz in Europa. Die Werbung wirkt anders als Keyword-Targeting: ChatGPT versteht den Gesprächskontext. Aber die Spielregeln sind dieselben wie überall.
Häufige Fragen
Sehe ich als ChatGPT-Nutzerin automatisch Werbung? Nur wenn du den kostenlosen Tarif oder ChatGPT Go nutzt und eingeloggt und volljährig bist. Wer Plus, Pro oder höher abonniert hat, sieht keine Anzeigen.
Beeinflusst die Werbung, was ChatGPT mir antwortet? Laut OpenAIs Garantie nicht. Die Anzeige erscheint unterhalb der Antwort, getrennt. Der Antwortinhalt soll von der Werbeschaltung unabhängig bleiben.
Was gilt rechtlich, wenn ich in ChatGPT werben möchte? Das UWG gilt uneingeschränkt. Irreführende Aussagen in ChatGPT-Anzeigen sind genauso abmahnbar wie in Google-Anzeigen. Eine Abstimmung mit den UWG-Grundlagen ist vor dem Start sinnvoll.
Gilt der AI Act für ChatGPT-Werbung? Artikel 50 der KI-Verordnung, der seit dem 2. August 2026 in Kraft ist, regelt Kennzeichnungspflichten für bestimmte KI-generierte Inhalte. Ob ein Verstoß gegen Art. 50 KI-VO auch über das UWG abmahnbar ist, ist gerichtlich noch nicht entschieden. Die Fachdiskussion dazu ist im Gange.
Wenn du wissen möchtest, wie dein KI-Einsatz insgesamt rechtlich aufgestellt ist, schau gerne beim KI-Rechtsrisiko-Check vorbei: rechts-coach.de/ki-check/
Dieser Beitrag ersetzt keine fallbezogene Rechtsberatung. Stand: September 2026.
Wo stehst du gerade?
Der kostenlose KI-Rechtsrisiko-Check gibt dir in 2 Minuten eine erste Orientierung.
Check starten